19.08.2026

KI zieht ins Personalwesen ein: Unternehmen müssen jetzt Arbeit und Verantwortung neu denken

Arbeitszeugnisse, Weiterbildung, Onboarding: Unternehmen setzen Künstliche Intelligenz zunehmend für Aufgaben im Personalbereich ein. Für das Zukunftszentrum MV+ ist damit nicht nur eine technische Frage verbunden – sondern die Frage, wie sich Arbeit, Verantwortung und Kompetenzen verändern.

Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die Personalarbeit. Laut einer aktuellen repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom setzen bereits 16 Prozent der Unternehmen KI für die individuelle Weiterbildung ihrer Beschäftigten ein. Weitere 58 Prozent können sich den Einsatz vorstellen. Auch beim Onboarding kommt KI zunehmend zum Einsatz: 14 Prozent nutzen entsprechende Anwendungen bereits, weitere 36 Prozent können sich dies vorstellen. Für die Erstellung von Arbeitszeugnissen nutzen 14 Prozent der Unternehmen KI.

Damit wird deutlich: KI ist längst auch in der Personalarbeit angekommen. Sie verändert zunehmend die Art und Weise, wie Unternehmen Beschäftigte gewinnen, einarbeiten und weiterentwickeln. Zugleich wirft sie neue Fragen nach Verantwortung und menschlicher Entscheidung auf.

Für das Zukunftszentrum MV+ wirft diese Entwicklung eine zentrale Frage auf: Welche Aufgaben können KI-Systeme sinnvoll übernehmen – und wo bleiben menschliche Entscheidung und Verantwortung unverzichtbar?

„Wenn KI Aufgaben im Personalbereich übernimmt, kann sie Prozesse erleichtern und die Beschäftigten unterstützen. Im Mittelpunkt müssen die Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen, Erfahrungen und beruflichen Perspektiven stehen. Daher müssen Unternehmen klar definieren, welche Entscheidungen weiterhin von Menschen getroffen werden und welche Kompetenzen dafür erforderlich sind“, sagt Kathleen Neumann, Expertin für Personalmanagement im Zukunftszentrum MV+.

Dabei müsse der Einsatz von KI nicht bedeuten, dass menschliche Arbeit überflüssig werde. Im Gegenteil: Gerade dort, wo KI administrative oder standardisierte Aufgaben übernimmt, könnten neue Freiräume für persönliche Betreuung, Kommunikation und anspruchsvollere Tätigkeiten entstehen.

Das zeigt sich beispielsweise beim Onboarding. Eine KI kann häufige Fragen beantworten und neue Beschäftigte bei der Orientierung unterstützen. Die persönliche Begleitung durch Kolleginnen und Kollegen oder Führungskräfte könne sie jedoch nicht vollständig ersetzen.

Besonders interessant ist der Blick auf Weiterbildung: Bereits 16 Prozent der Unternehmen nutzen KI, um die individuelle Weiterbildung ihrer Beschäftigten zu unterstützen. Weitere 58 Prozent können sich einen solchen Einsatz vorstellen. Damit könnte KI künftig nicht nur selbst Gegenstand von Weiterbildung sein, sondern auch dabei helfen, Lernangebote stärker an individuellen Kompetenzen und Entwicklungsbedarfen auszurichten.

Für Unternehmen ergeben sich daraus aus Sicht des Zukunftszentrums MV+ drei zentrale Aufgaben:

  1. Aufgaben statt ganze Berufe betrachten
    Die Frage sollte nicht nur lauten, welcher Beruf durch KI verändert wird. Entscheidend ist, welche konkreten Tätigkeiten sich verändern und wo KI Beschäftigte unterstützen kann.
  2. Verantwortung eindeutig festlegen
    Auch wenn eine KI Texte erstellt, Informationen aufbereitet oder Empfehlungen gibt, müssen Unternehmen klären, wer die Ergebnisse prüft und wer letztlich für Entscheidungen verantwortlich ist.
  3. Kompetenzen weiterentwickeln
    Beschäftigte brauchen nicht nur technisches Wissen. Sie müssen auch lernen, KI-Ergebnisse kritisch einzuschätzen, sinnvoll in Arbeitsprozesse einzubinden und mit sensiblen Daten verantwortungsvoll umzugehen.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen kann darin eine Chance liegen. Wenn KI administrative Aufgaben übernimmt, könnten Beschäftigte mehr Zeit für Tätigkeiten gewinnen, bei denen Erfahrung, Kommunikation und menschliche Entscheidungen gefragt sind.

Gleichzeitig sollte die Einführung von KI nicht ausschließlich als technische Anschaffung betrachtet werden. „Ein neues KI-Tool verändert nicht automatisch eine Organisation. Entscheidend ist, wie es in die Arbeitsabläufe, Verantwortlichkeiten und Kompetenzbereiche der Beschäftigten integriert wird und wie Führungskräfte die Beschäftigten auf diesem Weg begleiten“, so Kathleen Neumann.

Die aktuelle Bitkom-Erhebung zeigt zudem, dass viele Unternehmen beim Einsatz von KI im Personalbereich noch zurückhaltend sind. Als Gründe werden unter anderem Datenschutzbedenken und Unsicherheiten bei der praktischen Umsetzung des AI Act genannt.

Für Unternehmen beginnt die Auseinandersetzung mit KI im Personalwesen deshalb nicht bei der Frage, welches Tool angeschafft werden soll. Sie beginnt bei der Frage, wie gute Arbeit künftig organisiert werden soll.

Das Zukunftszentrum MV+ unterstützt kleine und mittlere Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern dabei, Veränderungen der Arbeitswelt zu gestalten, Beschäftigte weiterzuentwickeln und neue Technologien sinnvoll in betriebliche Prozesse zu integrieren.

 

Quelle: Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Repräsentative Befragung von 602 Unternehmen ab 3 Beschäftigten in Deutschland, durchgeführt in KW 18–25 2026.